Die Burg – Geschichte

Viktor Frankenstein und sein selbst erschaffenes Monster – fast jeder hat sofort ein Bild vor Augen. Wer das Buch nicht gelesen hat, kennt mindestens eine der Verfilmungen dieses Genreklassikers. Es gibt viele historische Hinweise, die dafür sprechen, dass der weltbekannt Roman „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ von Mary Shelley tatsächlich seinen Ursprung auf der Burg Frankenstein hat.

Die bekannte Burg Frankenstein steht auf einem 370 m hohen Ausläufer des Langenbergs und liegt südöstlich des Darmstädter Stadtteils Eberstadt auf der Gemarkung der Gemeinde Mühltal. Sie ist die nördlichste von einer Reihe von Burgen und Burgruinen am westlichen Rand des Odenwaldes und blickt auf die Rheinebene hinab. 

Frankenstein Wappen

Die Burg wahrt eine lange Geschichte

Die genaue Entstehungszeit der Burg Frankenstein ist ungewiss. Erstmals erwähnt wurde die Burg im Jahr 1252 in einer Urkunde von Konrad II. Reiz von Breuberg und seiner Ehefrau Elisabeth von Weiterstadt. Aus ihrer Heirat entstand das Adelsgeschlecht der Herren von und zu Frankenstein. Aus der Formulierung „super castro in frangenstein“ („auf der Burg auf dem Frankenstein“) geht hervor, dass die Burg zu dieser Zeit bereits erbaut war und genutzt wurde. Die meisten Historiker gehen von einem Baujahr um 1240 aus.

Um das Jahr 1400 stieg der Einfluss der Frankensteiner. Die Burg wurde um eine Vorburg erweitert und modernisiert. 1402 wurde sie, zusammen mit Nieder-Beerbach, Reichslehen und damit unabhängig von den mächtigen Grafen von Katzenelnbogen.

Das 16. Jahrhundert war ein wirtschaftlicher Erfolg

Wirtschaftlich ging es den Frankensteinern sehr gut. Im 16. Jahrhundert wurde viel gebaut und erweitert. Die Burg Frankenstein erreichte in dieser Zeit die heute noch vorhandenen Ausmaße.

1670 zogen sich die Freiherren von Frankenstein nach Franken (Ullstadt) zurück und kauften dort eine neue Herrschaft, nachdem Landgraf Ludwig VI. von Herren-Darmstadt die Burg Frankenstein für 109.000 Gulden samt der Herrschaft gekauft hatte.
Der Landgraf setzte seine Prioritäten jedoch im Territorialbesitz der Frankensteiner anstatt sich um die Burg zu kümmern. Infolgedessen verfiel die Burg langsam und diente bis zum 18. Jahrhundert als Invalidenhaus und Zufluchtsort während der Eroberungskriege Ludwigs XIV. von Frankreich.

Auch die Gerüchte über verborgene Schätze und der zerstörerische Tatendrang der Schatzsucher taten der Burg nicht gut. Es wurden Mauern eingerissen und Keller zerstört – so blieb von der Vorburg leider nicht mehr viel übrig.

Die damalige Ehefrau der Burgverwalters sorgte daraufhin mit ihrer Geldgier für die Zerstörung der Kernburg. Das komplette Inventar, das Blei der Dächer, die Ziegel und Holztreppen wurden zu Geld gemacht. Die Bauern der Nachbardörfer nutzten die Burg zudem als billigen Steinbruch, bis kaum mehr ein Stein auf dem anderen lag.

Großherzog Ludwig III. versuchte Mitte des 19. Jahrhunderts der Burg Frankenstein neues Leben zu verschaffen – mehr oder weniger erfolgreich. Es wurde fehlerhaft und ungenau restauriert, es wurden Stockwerke hinzugefügt, die es nie gab.

Heute ist die Burg ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher

Fohr frankenstein

Zielführend gebaut wurde tatsächlich erst wieder im 20. Jahrhundert. Da die Burg Frankenstein ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel war und ist, wurde Ende der sechziger Jahre das Panorama-Restaurant mit Aussichtsterrasse gebaut, das schließlich am 9. September 1970 seine Pforten öffnete.

Ein paar Jahre später riefen US-Soldaten das alljährliche Festival Halloween auf der Burg Frankenstein ins Leben. Bis heute findet alljährlich Deutschlands größtes Halloween-Festival auf der Burg Frankenstein statt.

Heute finden zahlreiche Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmenfeiern, Geburtstage oder öffentliche Feiern auf der Burg und im Restaurant statt. Die Burg Frankenstein hat sich als attraktives  Ausflugsziel und hochwertige Eventgastronomie etabliert.

Die Burgarchitektur – ein auf und ab durch die Epochen

Die Burg Frankenstein hat viele Epochen überstanden, wie man an den verschiedenen baulichen Abschnitten gut erkennen kann.
Die südliche Kernburg, der älteste Teil, wird von dicken Mauern mit Zinnen und Wehrgängen beschützt. Hier befanden sich die Wirtschafts- und Wohngebäude um einen engen Hof und das Brunnenhaus herum.
Der noch erhaltene Brunnen ist heute zugedeckt.
Die Außenmauern der meist in Fachwerkbauweise gefertigten Gebäude stellten gleichzeitig die Außenmauern der Burg dar und waren deshalb sehr dick.
Um den Zwinger der Burg besser zu schützen, wurde später eine weitere Ringmauer gebaut. Der Torturm, vor dem sich ein Graben mit einer Zugbrücke befand, war lange der Haupteingang zur eigentlichen Burg. Der Graben ist heute zugeschüttet, im Torturm sind allerdings noch die Rollen und Aufschlagsteine der Zugbrücke zu erkennen.

Zur gefährdeten Südseite hin wurde ein vorgelagerter Pulverturm errichtet, welcher zur Burg hin offen ist, um den Feind weiterhin unter Beschuss nehmen zu können, sollte er den Turm einnehmen.

Um das 16. Jahrhundert wurde die Kernburg aus Platzgründen um eine Vorburg erweitert. Ende dieses Jahrhunderts erreichte die Burg Frankenstein nach einigen Umbauten ihre endgültige Form. Außer der 1474 errichteten Kapelle steht heute nichts mehr in der Vorburg.